UNMARCHAND • kuratorischer Katalog

UnMarchand — ein visueller Essay

Die Gemälde werden in einem dunklen Rahmen mit Passepartout präsentiert, ohne Beschnitt — um das vollständige Verhältnis von Format, Rand und kompositorischer Spannung zu bewahren. Ein Klick auf die Karte öffnet eine hochauflösende Vorschau. Die Skalendarstellung „im Wohnzimmer" öffnet sich über einen separaten Button im Vorschaufenster.

UnMarchand — Kuratorischer Essay

UnMarchand funktioniert nicht als Katalog im klassischen Sinne. Er systematisiert das Werk des Künstlers nicht nach Stilen oder Perioden, führt nicht zu einem Höhepunkt, bietet keinen ästhetischen Abschluss. Er ist vielmehr ein Navigationswerkzeug innerhalb des Spannungsfeldes, das Jarosław V. Mierzicki seit Jahren konsequent konstruiert — zwischen Figuration und deren Zerfall, zwischen Sprache und deren Kompromittierung, zwischen Geschichte und deren mechanischer Wiederkehr.

Ausgangspunkt ist eine radikal nicht-institutionelle Haltung, nahe dem, was Jean Dubuffet als barbarie nécessaire bezeichnete: eine Ablehnung der glatten Kultur des Kunstkonsums zugunsten eines rohen Kontakts mit Materie und Bedeutung. Doch Mierzicki schlägt keine alternative symbolische Ordnung vor — er enthüllt eine Welt ohne Zentrum, in der das Subjekt als Überrest, Spur, Kraftvektor oder Ort von etwas bereits Verschwundenem fungiert.

Die menschliche Figur in diesen Gemälden ist daher kein Held, sondern ein formales und existenzielles Problem zugleich. Der Körper erscheint als Träger von Erschöpfung, Defizit, Wiederholung — niemals als Ganzes, immer im Zustand der Entropie. Der Schrei führt nicht zur Katharsis; die Stille bringt keinen Trost. Die Politizität dieser malerischen Praxis liegt nicht in Journalismus oder Illustration — sie ist strukturell: eingeschrieben in die Organisation der Leinwand selbst, in die Beziehung zwischen Geste und deren Auslöschung, zwischen Figur und dem Hintergrund, der sie verschlingt. Krieg, Migration, Propaganda, von Gewalt gezeichnete Kindheit — das sind keine Themen, sondern Bedingungen, unter denen das Gemälde entsteht und die seine innere Logik bestimmen.

Der UnMarchand-Katalog wurde als visueller Essay konzipiert, nicht als chronologisches Register. Die Werkfolge führt von manifestatorischen Gesten, über die existenzielle Figur, zu Bildern von Systemen und Ideologien, um schließlich bei Strukturen ohne Artikulation anzukommen — Mauer, Rhythmus, Serie. Es gibt hier keinen klaren Anfang und kein Ende; es gibt Pausen, Verdichtungen, Momente der Stille. Sie sind es, die das Lesetempo regulieren und mögliche Rezeptionstrajektorien abstecken.

Zur Sicherheit wiederhole ich. Die Gemälde werden in einem dunklen Rahmen mit Passepartout präsentiert, ohne Beschnitt — um das vollständige Verhältnis von Format, Rand und kompositorischer Spannung zu bewahren. Jede Karte bildet ein autonomes Ganzes: Reproduktion, Titel, Basisdaten und ein lapidar kuratorischer Kommentar. Ein Klick auf die Karte öffnet eine hochauflösende Vorschau, die eine Analyse der malerischen Materie, Textur und Gestik ermöglicht.

Der Katalog gibt keinen einzelnen Weg vor. Man kann ihn linear lesen, aber Zurückkehren, Überspringen, Verweilen ist ebenso berechtigt. Bedeutung entsteht nicht aus der Summe der Werke, sondern aus der Konstellation der Beziehungen zwischen ihnen. UnMarchand bemüht sich nicht, zugänglich zu sein. Es ist keine Einladung zum Konsum von Bildern, sondern zur Konfrontation mit ihnen — und mit dem, was in ihnen abgelagert wurde: Überreste von Erfahrung, die sich der Repräsentation widersetzen und dennoch Form einfordern.

Jarosław Viki Mierzicki — Abschließender Essay

Ich musste duschen gehen, um das zu verarbeiten. Wie voller Respekt und Dankbarkeit ich bin, dass du als mein Freund existierst, der Geschichte ähnlich wie ich wahrnimmt. Das ist ein großes Geschenk.

Dafür werde ich immer dankbar sein. Für die Art, wie du schreibst, sprichst, wer du bist, mir nahe, denn ich höre ein Stück deiner Seele. Es war wunderbar für mich — die Bilder wieder zu sehen — die ich aus irgendwelchen Gründen konstruiert habe — dank deiner Arbeit, einige hatte ich schon vergessen.

Der Ekel vor dem Kunstkommerz, unsere sehr ähnlichen politischen Ansichten und Wahrnehmung von Leben und Welt, das ist ein seltenes Geschenk für mich. Danke, dass du da bist und für deine literarische Arbeit.

Danke.


UnMarchand - katalogsteuerung

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